Zoonosen

Mitglied der neuen DGHM-Fachgruppe "Zoonosen" werden

Wissenschaftliches Konzept der FG Zoonosen

Die Gründung der Fachgruppe wurde vom DGHM-Vorstand beschlossen. Wenn Sie Mitglied der neuen Fachgruppe werden möchten, senden Sie bitte das folgende Formular an die DGHM-Geschäftsstelle Unterschriftenformular an die

DGHM-Geschäftsstelle
Frau Dr. Nicole von Maltzahn

Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Carl-Neuberg-Str. 1
D-30625 Hannover
Tel: 0511 532 4655
Fax: 0511 532 4355
e-mail:dghm@mh-hannover.de

Wissenschaftliches Konzept für den Antrag auf Gründung einer Fachgruppe

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesem Schreiben möchte ich einen Antrag auf Gründung einer neuen Fachgruppe stellen:

Name der Fachgruppe: Zoonosen

1. Thematik der Fachgruppe

Trotz zahlreicher antiepidemischer und hygienischer Maßnahmen gehören die Zoonoseerreger weltweit zu den häufigsten Ursachen von Infektionskrankheiten. Die steigenden Behandlungskosten von Erkrankten belasten zunehmend unser Gesundheitssystem, wobei der enorme Kostendruck langfristig die Finanzierbarkeit einer adäquaten Krankenversorgung gefährdet. Der Verlust an Lebensqualität der Betroffenen ist bei der rein ökonomischen Betrachtungsweise überhaupt nicht berücksichtigt.

Zur erfolgreichen Bekämpfung und Eindämmung der Ausbreitung von Zoonoseerregern müssen wissenschaftlich begründete Maßnahmen zu ihrer Eliminierung in Tieren und Lebensmitteln tierischer Herkunft angestrebt werden. Bisher ist völlig unbekannt, worauf die große Persistenzfähigkeit dieser Erreger im landwirtschaftlich genutzten Tier beruht und wie die Übertragung der Erreger vom Tier auf den Menschen erfolgt. Durch die seit Jahren gemeldeten gleichbleibend hohen Erkrankungszahlen haben Zoonosen verständlicherweise große öffentliche und gesundheitspolitische Aufmerksamkeit erlangt, zumal in den Augen der Öffentlichkeit der Eindruck einer gewissen Ratlosigkeit bei den Infektionsforschern entstanden ist. Man kann davon ausgehen, dass die jährlich registrierten ca. 150 000 Neuerkrankungen allein in Deutschland nur die Spitze des Eisberges darstellen. Erreger, wie z.B. Campylobacter und Salmonellen, zeichnen sich durch eine geringe Wirtsspezifität aus, was ihre Bekämpfung erfahrungsgemäß erheblich erschwert. Neuere Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass nicht nur Nutztiere Träger von Zoonoseerregern sind, sondern auch Haustiere und Wildtiere befallen sein und somit als Überträger, ja sogar als Reservoir fungieren können. Bisher wurde den Ursachen und Mechanismen der Persistenz- und Kolonisierungsfähigkeiten der Erreger nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Aus diesem Grund ist in der neu zu gründenden Fachgruppe die Bearbeitung von Themenkomplexen vorgesehen, die Erkenntnisse über die Adaptationsmechanismen, Infektionsquellen und Übertragungswege liefern sollen.

2. Aktivitäten

Die Mitglieder der neuen Fachgruppe beabsichtigen, während der DGHM-Jahrestagungen mindestens einen Workshop am Tagungsort abzuhalten und zusätzlich zu den Jahrestagungen einmal jährlich ein Fachgruppen-Meeting an wechselnden Veranstaltungsorten durchzuführen. Im Jahre 2010 wollen wir mit diesen jährlichen Treffen in Münster beginnen; für 2011 ist Berlin als Austragungsort vorgesehen. Bei den geplanten zweitägigen Veranstaltungen sollen von eingeladenen Sprechern Vorträge zu aktuellen Themenschwerpunkten der Zoonoseforschung gehalten werden. Aus den eingereichten Posterbeiträgen werden als Ergänzung zu den Hauptsprechern Kurzvorträge von Nachwuchswissenschaftlern ausgewählt. Besonderen Wert werden wir bei den Fachgruppenveranstaltungen auf Interdisziplinarität und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses legen.

3. Perspektiven

Das BMBF hat 2007 die Fördermaßnahme "Zoonosen" initiiert, die das Themenfeld der zoonotischen Infektionserkrankungen zum Inhalt hat. In der Zwischenzeit haben sich neun interdisziplinäre Verbünde zusammengefunden, in denen mittlerweile mehr als 50 Arbeitsgruppen mitwirken. Das Ziel dieses Netzwerkes ist die Bekämpfung von Speziesübergreifenden bakteriellen, viraler und parasitärer Zoonoseerregern, was nur durch Kooperation zwischen Human- und Veterinärmedizin erreicht werden kann und soll. Für eine erfolgreiche Realisierung dieser Aufgabe wurden vom BMBF für zunächst drei Jahre insgesamt 23 Mio. € bereitgestellt. Mit der Etablierung der neuen Fachgruppe "Zoonosen" würde die DGHM auch gegenüber dem BMBF ihr großes Interesse an diesem zukunftsorientierten Verbundprojekt zeigen. Mit unserer Initiative, aktiv an der Entwicklung von Bekämpfungsstrategien mitzuwirken, können DGHM-Mitglieder diesen Verbund in Zukunft maßgeblich mitgestalten. Weiterhin werden wir durch die Gründung der neuen Fachgruppe einen Brückenschlag zu anderen Fachgesellschaften initiieren, insbesondere zur Arbeitsgruppe "Virale Zoonosen" in der Gesellschaft für Virologie. Der Koordinator der Nationalen Forschungsplattform, Herr Prof. Dr. Stephan Ludwig, unterstützt ausdrücklich die Gründung einer DGHM-Fachgruppe und sagt die Unterstützung von Seiten der Plattform zu. Aber auch die Verbindung zur Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), der Dachorganisation für alle in Deutschland relevanten veterinärmedizinischen Infektionsfächer, kann durch diese Fachgruppe offensiver inhaltlich gestaltet werden, denn nur im Kontext mit Veterinärmedizinern können Mechanismen der Persistenz und Übertragung von Zoonoseerregern erfolgreich erforscht werden.
Ich gehe außerdem davon aus, dass wir durch unser Gründungsvorhaben sicherlich zahlreiche neue Mitglieder gewinnen werden, was die DGHM insgesamt stärken würde und im Interesse aller DGHM-Mitglieder sein sollte.
Über eine aktive Unterstützung des Vorstandes und möglichst vieler Mitglieder unserer Gesellschaft für unser Vorhaben, der Zoonoseforschung innerhalb der DGHM mit der neuen Fachgruppe "Zoonosen" eine gebührende Plattform für die anstehenden Aufgaben zu schaffen, würde ich mich sehr freuen.

Freundliche Grüße

Univ.-Prof. Dr. Helge Karch